Bernhard
von Clairvaux
Buch an die
Tempelritter -
Lobrede auf das neue
Rittertum
Vorrede
Bernhard,
nur dem Namen nach Abt von Clairvaux, grüßt Hugo,
den Ritter und Meister der
Ritterschaft Christi: Kämpfe den guten Kampf!
Einmal
und wohl auch ein zweites und drittes Mal, wenn ich mich nicht
täusche,
liebster Hugo, hast du mich gebeten, Dir und Deinen
Waffenbrüdern eine Predigt
der Ermunterung zu schreiben und gegen die feindliche Macht der
Tyrannen meinen
Griffel zu schwingen, da es mir nicht erlaubt ist, dies mit der Lanze
zu tun.
Du behauptest, es sei von nicht geringem Nutzen, daß ich Euch
mit einer Schrift
ermutige, wenn ich es mit Waffen schon nicht tun kann. Ich habe es eine
Zeitlang aufgeschoben, nicht weil ich die Bitte abschlagen wollte,
sondern damit
man mich nicht beschuldige, meine Zustimmung leichtfertig und voreilig
gegeben
zu haben. Denn ich stünde als Prahler da, wenn ich mir in
meiner Unerfahrenheit
das anmaßte, was ein Besserer besser auszuführen
vermöchte, und eine an sich
äußerst notwendige Angelegenheit wäre durch
mich nicht zur Genüge behandelt. Da
ich aber jetzt sehe, daß ich vergeblich auf jemanden gewartet
habe, habe ich
schließlich das mir Mögliche getan, um nicht den
Anschein zu erwecken, eher
unwillig als unfähig zu sein. Der Leser möge
beurteilen, ob ich entsprochen
habe. Auch wenn jemand daran entweder keinen Gefallen findet, oder die
Arbeit
den Anforderungen nicht genügt, liegt es doch nicht an mir,
der ich Deinem
Wunsch entsprochen habe, so gut ich konnte.
I.
Mahnrede an die Tempelritter
1.
Überall in den Ländern und in jener Gegend, die
Christus in Menschengestalt und
als aufstrahlendes Licht aus der Höhe besucht hat,
hört man seit kurzem, es sei
eine neue Schar von Rittern aufgetreten. Dort, von wo er in der Kraft
seines Armes
die Fürsten der Finsternis verscheuchte, will er auch ihre
Anhänger, die Söhne
des Unglaubens, zersprengen und vernichten durch die Hand seiner
starken
Streiter. Er schafft auch heute seinem Volk Erlösung und
errichtet uns das Horn
des Heils im Hause seines Knechtes David. Es handelt sich, sage ich, um
ein
neues, der Welt noch unbekanntes Rittertum, das einen zweifachen Kampf
zugleich
unermüdlich kämpft, nämlich den gegen
Fleisch und Blut und den gegen die bösen
Geister des himmlischen Bereiches. Wenn man nur mit
Körperkraft einem
körperlichen Feind Widerstand leistet, so sehe ich das
allerdings weder als
wunderbar an, noch halte ich es für eine Seltenheit. Aber auch
dann, wenn man
in tapferer Gesinnung den Lastern und Dämonen den Krieg
erklärt, scheint mir
das nicht so großartig zu sein, auch wenn es lobenswert ist,
denn man sieht ja,
daß die Welt voll von Mönchen ist.
Aber
wenn beide Menschen in einer Person, ein jeder sich kraftvoll mit dem
Schwert
umgürtet, sich ehrenvoll durch sein Zingulum auszeichnet, wer
würde einen
solchen nicht aller Bewunderung für höchst
würdig erachten, zumal es sich ja um
Außergewöhnliches handelt? Ein solcher ist
jedenfalls ein unerschrockener
Ritter, allenthalben gefeit; er umgibt seinen Leib mit dem Panzer aus
Eisen, seine
Seele aber mit dem des Glaubens. Da er nun durch beiderlei Waffen
geschützt
ist, fürchtet er weder Teufel noch Menschen. Nicht einmal vor
dem Tode ist dem
bange, der sich zu sterben sehn. Denn was könnte der im Leben
oder im Tode
fürchten, dem Christus Leben und Sterben Gewinn ist Er setzt
sich treu und
freudig für Christus ein; aber mehr sehnt er sich danach,
aufgelöst zu werden
und bei Christus zu sein: Das ist nämlich besser. Schreitet
also sicher voran,
ihr Ritter, und vertreibt unerschrocken die Feinde des Kreuzes Christi
in der
Gewißheit, daß weder Tod noch Leben euch von der
Liebe Gottes trennen kann, die
sich in Christus Jesus offenbart. In jeder Gefahr wiederholt
für euch das Wort:
„Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem
Herrn “ (Röm 14,8) Wie
ehrenvoll kehren die Sieger aus der Schlacht zurück! Wie selig
sterben sie als
Märtyrer im Kampf! Freue dich, starker Kämpfer, wenn
du im Herrn lebst und
siegst! Aber noch mehr frohlocke und rühme dich, wenn du
stirbst und dich mit
dem Herrn vereinst. Das Leben ist fruchtbringend an Werken, und der
Sieg ist
ruhmvoll. Beiden aber wird ein seliges Sterben zu Recht vorgezogen.
Denn wenn
schon die selig sind, die im Herrn sterben“ (Off 14,13), sind
es dann nicht
vielmehr jene, die für den Herrn sterben?
2.
Ob nun einer auf seinem Lager oder auf dem Schlachtfeld stirbt, der Tod
sexainer Heiligen wird ohne Zweifel kostbar in den Augen des Herrn
sein. In der
Tat aber ist der Tod im Kampf um so kostbarer, je ruhmvoller er ist. O
sicheres
Leben, wenn das Gewissen rein ist! Ja, ich sage, sicher ist ein Leben
dann, wo
der Tod ohne Furcht erwartet, ja sogar voll Wonne ersehnt und mit
Hingabe
empfangen wird! O wahrhaft heiliger und sicherer Heeresdienst und von
einer
zweifachen Gefahr gänzlich frei, in die diese Art Menschen
(die Ritter) oft zu
geraten pflegt, wenn nicht Christus allein die Ursache des Kampfes ist.
Denn
sooft du dich in weltlichem Heeresdienst in den Kampf stürzt,
ist allerdings zu
befürchten, daß du entweder den Feind zwar leiblich,
dich aber seelisch tötest
- oder daß du von ihm zugleich dem Leib und der Seele nach
getötet wirst. Die
Gefahr oder der Sieg des Christen wird nämlich nach der
inneren Gesinnung und
nicht nach dem Kriegsglück beurteilt. Wenn nun die Sache des
Kämpfenden eine
gerechte ist, da wird ihr Ausgang nicht schlecht sein können,
wie auch der
Zweck nicht als gut beurteilt werden kann, wo ihm kein guter Beweggrund
und
keine rechte Absicht vorausgehen. Wenn es so kommt, daß du
selber in der
Absicht, einen anderen zu töten, getötet wirst,
stirbst du als Mörder. Wenn du
die Oberhand gewinnst und in der Absicht zu siegen und dich zu
rächen, von
ungefähr einen Menschen tötest, dann lebst du als
Mörder. Es nützt aber weder
dem Toten noch dem Lebenden, weder dem Sieger noch dem Besiegten, ein
Mörder zu
sein. Unglücklich der Sieg, bei dem du einen Menschen
besiegst, dabei aber dem
Laster unterliegst und dich vergeblich rühmst, einen
überwunden zu haben,
während du von Zorn und Hochmut beherrscht wirst. Es gibt
freilich auch solche,
die einen Menschen umbringen, nicht so sehr aus Rachsucht oder aus
Siegesbegehren, sondern nur, um einer Gefahr zu entrinnen. Aber nicht
einmal
diesen Sieg würde ich gut nennen, da es von den beiden
Übeln das leichtere ist,
dem Leibe nach zu sterben als der Seele nach. Nicht aber weil der Leib
getötet
wird, stirbt auch die Seele, sondern die Seele, die gesündigt
hat, die wird
sterben.“ (Ez 18,4)
II.
Das weltliche Rittertum
3.
Was ist der Zweck, was die Frucht dieser weltlichen, ich nenne sie
nicht
Ritterschaft, sondern Verderbtheit, wenn dabei sowohl der
Tötende eine Todsünde
begeht als auch der Getötete ewig zugrunde geht? In der Tat -
ich bediene mich
der Worte des Apostels: Der Pflüger wie der Drescher sollen
ihre Arbeit in der
Erwartung tun, ihren Teil zu erhalten.“ (1 Kor 9,10) Welch
staunenerregender
Irrtum also, ihr Ritter, welch unerträgliche Raserei,
Kriegsdienst zu leisten
unter so vielen Auslagen und Mühen! Bei keinem anderen Sold
als entweder Tod
oder Verbrechen! Ihr bedeckt eure Pferde mit seidenen Decken und eure
Panzer
mit allen möglichen Überhängen und
Tüchern; ihr bemalt die Speere, die Schilder
und die Sättel; die Zügel und Sporen
schmückt ihr ringsum mit Gold und Silber
und Edelsteinen; mit so großer Pracht eilt ihr in
beschämender Raserei und schamlosem
Stumpfsinn in den Tod. Sind das militärische Abzeichen oder
nicht vielmehr
weibischer Putz? Meint ihr vielleicht, daß der Dolch des
Feindes vor dem Gold
zurückscheut, die Edelsteine schont und die Seide nicht zu
durchbohren vermag?
Schließlich gibt es für den Kämpfenden, was
ihr ganz sicher öfters erfahrt,
drei Bedingungen, die besonders notwendig sind, nämlich: Der
tapfere und
fleißige Ritter sei umsichtig, um sich selbst zu
schützen; er sei frei zur
Bewegung und beherzt zum Treffen. Ihr aber laßt euren
Haarschmuck nach
Weiberart wachsen, wodurch ihr euch noch die Sicht erschwert; ihr
verwickelt
eure Schritte in lange, kostspielige Hemden, ihr versenkt eure zarten
und
feinen Hände in weite und wallende Ärmel. Obendrein
ist das ein ganz leichtfertiger
und frivoler Grund, warum man einen solchen und so
gefährlichen Kriegsdienst
auf sich nimmt - was das Gewissen eines Bewaffneten noch mehr schrecken
sollte.
Nur die unvernünftige Leidenschaft des Zorns oder die Gier
nach eitlem Ruhm
oder die Begierde nach irdischem Besitz erregen und wecken unter euch
Kämpfe
und Streitigkeiten. Bei solchen Anlässen gewährt
weder das Töten noch das
Sterben Sicherheit.
III.
Das neue Rittertum
4.
Die Ritter Christi aber kämpfen mit gutem Gewissen die
Kämpfe des Herrn und fürchten
niemals weder eine Sünde, weil sie Feinde erschlagen, noch die
eigene
Todesgefahr. Denn der Tod, den man für Christus erleidet oder
verursacht, trägt
keine Schuld an sich und verdient größten Ruhm. Hier
nämlich wird für Christus,
dort Christus selbst erworben. Er nimmt wahrlich den Tod des Feindes
als Sühne
gern an und bietet sich noch lieber seinem Streiter als
Tröster dar. Ein Ritter
Christi, sage ich, tötet mit gutem Gewissen, noch ruhiger
stirbt er. Wenn er
stirbt, nützt er sich selber; wenn er tötet,
nützt er Christus. „Denn nicht
ohne Grund trägt er das Schwert; er steht im Dienst Gottes und
vollstreckt das
Urteil an dem, der Böses tut, zum Ruhm aber für die
Guten.“ (Röm 13,4; 1 Pet
2,14) ja, wenn er einen Übeltäter umbringt, ist er
nicht ein Menschenmörder,
sondern sozusagen ein Mörder der Bosheit, und mit Recht wird
er als Christi
Rächer gegen die Missetäter und als Verteidiger der
Christenheit angesehen.
Wenn er aber selbst umgebracht wird, ist es klar, daß er
nicht untergegangen,
sondern ans Ziel gelangt ist. Der Tod, den er verursacht, ist Christi
Gewinn;
wenn er ihn erleidet, sein eigener. Der Christ rühmt sich,
wenn er einen
Ungläubigen tötet, weil Christus zu Ehren kommt. Wenn
ein Christ stirbt,
offenbart sich die Hochherzigkeit des Königs, da der Ritter
zur Belohnung
geführt wird. Ja, über ihn wird der Gerechte
frohlocken, wenn er die Vergeltung
sieht. Über ihn sagen die Menschen: Gibt es denn für
den Gerechten einen Lohn?
Gewiß, es gibt einen Gott, der auf Erden Gericht
hält (Ps 57,11f) Allerdings
dürfte man die Heiden nicht töten, wenn man sie auf
einem anderen Weg von den
maßlosen Feindseligkeiten und von der Unterdrückung
der Gläubigen abhalten
könnte. Nun aber ist es besser, daß sie beseitigt
werden, als daß das Zepter
des Frevels auf dem Erbland der Gerechten lasten soll, damit die
Gerechten
nicht etwa ihre Hände nach Unrecht ausstrecken.
5.
Was also? Wenn mit dem Schwert dreinzuschlagen für den
Christen in keinem Fall
erlaubt ist, warum hat dann der Vorläufer Christi den Soldaten
auferlegt, sie
sollen mit ihrem Sold zufrieden sein, anstatt ihnen den Kriegsdienst
ganz und
gar zu verbieten? Wenn es aber jedenfalls allen erlaubt ist, die dazu
durch
Gottes Anordnung bestimmt sind, und die sonst nichts Höheres
gelobt haben, wem
- so frage ich - steht es besser an, als denen, durch deren starke Hand
Zion,
unsere befestigte. Stadt, zu unser aller Schutz gehalten wird? Sie wird
gehalten, damit nach Vertreibung derer, die das göttliche
Gesetz überschreiten,
das gerechte Volk in Sicherheit einzieht, das dem Herrn die Treue
bewahrt.
Sicher sollen deshalb die Völker, die am Krieg Lust haben,
zerstreut und
zerhauen werden: solche Leute, die bei uns Unruhe stiften; alle sollen
aus der
Stadt des Herrn ausgerottet werden, die Unrecht tun. Sie arbeiten
daran, die in
Jerusalem niedergelegten unschätzbaren Reichtümer des
christlichen Volkes zu
rauben, das Heiligtum zu schänden und den heiligen Tempel
Gottes in Besitz zu
nehmen. Es sollen also beide Schwerter von den Gläubigen gegen
die
halsstarrigen Feinde gezückt werden, zu zerstören
jeden Stolz, der sich gegen
die Gotteserkenntnis erhebt, worin der christliche Glaube liegt. Und
die Heiden
sollen nicht sagen können: Wo ist ihr Gott?“ (Ps
113,2)
6.
Wenn diese ausgestoßen sind, wird er selbst in sein Erbe und
in sein Haus
zurückkehren, uüber das er erzürnt im
Evangelium sagt: „Sieh“, so spricht er,
„euer Haus wird verlassen“ (Mt 23,38), und durch
den Propheten klagt er so:
„Ich verließ mein Haus, ich verstieß mein
Erbteil.“ (Jer 12,7) Und er wird so
jenes Prophetenwort erfüllen: „Der Herr hat sein
Volk erlöst und es befreit.
Sie werden kommen und jubeln auf Zions Höhe, sie werden
strahlen vor Freude
über die Gaben des Herrn.“ (Jer 31,11f) Freue dich
Jerusalem und erkenne die
Zeit deiner Heimsuchung! „Brecht in Jubel aus, jauchzt alle
zusammen, ihr
Trümmer Jerusalems! Denn der Herr tröstete sein Volk,
er erlöste Jerusalem. Der
Herr machte seinen heiligen Arm frei vor den Augen aller
Völker.“ (Jes 52,9f)
Du Jungfrau Israel, du warst gefallen, und es war keiner da, der dich
aufhob.
Steh auf, schüttle den Staub von dir ab, Jungfrau, gefangene
Tochter Zions!
Steh auf, sage ich, und steig auf die Höhe! Schaue die Freude,
die von deinem
Gott zu dir kommt! „Nicht länger nennt man dich die
Verlassene und dein Land 'Das
Ödland'. Denn der Herr hat an dir seine Freude, und dein Land
wird bewohnt
werden.“ (Jes 62,4) Blicke auf und schaue umher! Alle
versammelten sich und
kamen zu dir.“ (Jes 49,18) Das ist die Hilfe, die dir vom
Heiligtum gesandt
wurde. Durch sie wird dir ja bald die alte Verheißung
erfüllt: Ich mache dich
zum ewigen Stolz, zur Freude für alle Generationen. Du wirst
die Milch der
Völker saugen und an der Brust der Könige
trinken.“ Und ebenso: „Wie eine
Mutter ihre Kinder tröstet, so tröste ich euch, und
in Jerusalem findet ihr
Trost!“ (Jes 66,13). Siehst du nicht, wie das neue Rittertum
so oft durch das
Alte Testament bezeugt wird? Und daß wir es, „so
wie wir es gehört haben, in
der Stadt des Herrn der Heere schauen?“ (Ps 47,9) Allerdings
soll die wörtliche
Auslegung die geistliche Bedeutung nicht beeinträchtigen: Wir
erhoffen nämlich
für die Ewigkeit, was wir zur Deutung dieser Zeit aus den
Worten der Propheten
entnehmen: Der Glaube möge durch das Sichtbare nicht
verlorengehen, der jetzige
Mangel den Reichtum an Hoffnung nicht mindern; die
gegenwärtigen Güter mögen
die künftigen nicht entkräften. Im übrigen
zerstört der zeitliche Ruhm der
irdischen Stadt nicht die himmlischen Güter, sondern vermehrt
sie. Nur dürfen
wir kein Bedenken haben, daß diese Stadt das Urbild jener
darstellt, die unsere
Mutter im Himmel ist.
IV.
Die Lebensweise der Tempelritter
7.
Nunmehr zur Nachahmung oder besser zur Beschämung unserer
Ritter, die wahrlich
nicht für Gott, sondern für den Teufel streiten,
wollen wir - damit der Unterschied
zwischen dem Heere Gottes und dem der Welt klar aufscheine - in
Kürze über die
Sitten und das Leben der Ritter Christi sprechen, wie sie sich in Krieg
und
Frieden verhalten. Zunächst fehlt keinem von beiden die Zucht,
und der Gehorsam
wird keineswegs verachtet, weil nach dem Zeugnis der Schrift ein
ungezogener
Sohn zugrunde geht, und „Trotz ist ebenso eine Sünde
wie Zauberei;
Widerspenstigkeit ist ebenso ein Frevel wie
Götzendienst.“ (1 Sam 15,23) Man
geht und kommt auf den Wink eines Vorgesetzten, man zieht an, was er
gibt, und
man nimmt weder Kleidung noch Nahrung von anderswoher. In Nahrung und
Kleidung
hütet man sich vor Überfluß, man sorgt nur
für das Notwendige. Man lebt in
Gemeinschaft in froher und nüchterner Geselligkeit ohne Frauen
und ohne Kinder.
Und damit an der evangelischen Vollkommenheit nichts fehle, wohnen sie
ohne
jeglichen Besitz einmütig in einem Hause und sind bestrebt,
die Einheit des
Geistes im Band des Friedens zu wahren. Man könnte sagen,
diese ganze
Gemeinschaft sei ein Herz und eine Seele: auch so, daß ein
jeder seinem Willen
in keiner Weise folgt, sondern mehr sich bemüht, dem
Befehlenden zu gehorchen.
Niemals sitzen sie müßig da oder wandern neugierig
umher, sondern immer wenn
sie nicht in den Kampf ziehen - was selten geschieht -, setzen sie, um
das Brot
nicht müßig zu essen, beschädigte Waffen
oder Kleider wieder in Stand oder
flicken die alten und bringen die schlampigen in Ordnung. Kurz und gut:
sie
vollziehen, was der Wille des Meisters und der gemeinsame Nutzen
auferlegen.
Bei ihnen gibt es überhaupt kein Ansehen der Person; dem
Besseren und nicht dem
Adeligeren erweist man Ehre. Sie kommen einander in Ehrenbezeigungen
zuvor, sie
tragen gegenseitig ihre Lasten, um so das Gesetz Christi zu
erfüllen.
Unverschämte Worte, unnütze Beschäftigungen,
ungezügeltes Lachen, sogar leises
Murren oder lautes Brummen werden, wenn es an den Tag kommt, immer
bestraft.
Sie verabscheuen Schach- und Würfelspiel, sie lehnen die Jagd
ab, sie vergnügen
sich nicht mit der Vogelbeize, wie sie sonst geübt wird.
Schauspieler,
Zauberer, Märchenerzähler, unsaubere Lieder und
Schaustellungen von Possen
verachten und verabscheuen sie als Eitelkeit und Lüge. Sie
scheren sich die
Haare, da sie wohl wissen, daß es auch nach dem Apostel
für einen Mann eine
Schande ist, die Haare lang zu tragen. Niemals gekämmt, selten
gebadet,
erscheinen sie vielmehr borstig, weil sie die Haarpflege
vernachlässigen, vom
Staub beschmutzt, von der Rüstung und von der Hitze
gebräunt.
8.
Droht dann der Krieg, rüsten sie sich innerlich mit Glauben,
nach außen mit
Eisen, und nicht mit Gold, damit sie durch Waffen den Feinden Angst
einjagen,
und nicht durch Schmuck deren Habgier herausfordern. Starke und
schnelle Pferde
wollen sie haben, nicht bunt behangene und mit Brustschmuck
gezäumte. Den
Kampf, und nicht die Pracht, den Sieg, und nicht den Ruhm haben sie im
Sinn;
sie mühen sich mehr, Furcht zu erregen als Bewunderung.
Sodann, nicht
leidenschaftlich und ungestüm, nicht voreilig und
überstürzt, sondern bedacht
und mit aller Vorsicht und Vorsorge ordnen sie sich und stellen sich in
der
Schlachtreihe auf, wie es von den Vätern geschrieben ist .
Denn die wahren
Israeliten schreiten ruhig in den Kampf. Wenn es aber zum Kampfe kommt,
dann lassen
sie die gewohnte Gelassenheit beiseite und stürzen sich auf
die Gegner, als ob
sie sagen wollten. „Sollte ich die nicht hassen, Herr, die
dich hassen, und die
nicht verabscheuen, die sich gegen dich erheben?“ (Ps 139,21)
Die Feinde
erachten sie wie Schafe und niemals, auch wenn sie sehr wenige sind,
fürchten
sie weder wilde Barbarei noch zahlreiche Übermacht. Sie haben
gelernt, nicht
auf die eigenen Kräfte zu vertrauen, sondern den Sieg aus der
Kraft des Herrn
der Heerscharen zu erhoffen; sie sind vollkommen überzeugt,
daß es ihm, nach
dem Ausspruch des Makkabäers, ein Leichtes ist,
„viele wenigen in die Hände
fallen zu lassen; für den Himmel macht es keinen Unterschied,
ob er durch viele
oder wenige Rettung bringt. Denn der Sieg im Kampf liegt nicht an der
Größe des
Heeres, sondern an der Kraft, die vom Himmel kommt.“ (1 Makk
3,18) Das haben
sie oft erfahren, daß viele Male ein einziger Tausende
verfolgte und zwei
Zehntausende in die Flucht schlugen. In der Tat sieht man, wie sie auf
eine
wunderbare und einzigartige Weise sanfter sind als die Lämmer
und wilder als
die Löwen, so daß ich im Zweifel wäre, was
ich sie eher nennen sollte, nämlich
Mönche oder Ritter, wenn ich sie nicht schon wohl recht
zutreffend beides
genannt hätte. Denn ihnen fehlt, wie man sieht, keines von
beiden, weder die
Sanftmut des Mönches noch die Tapferkeit des Kriegers. Was
soll man darüber
sagen als: „Der Herr hat es vollbracht, vor unseren Augen
geschah dieses
Wunder?“ (Ps 117,23) Solche hat sich Gott erwählt,
und er sammelte sie als
Diener von den Grenzen der Erde aus den Stärksten Israels, auf
daß sie das
Ruhelager des wahren Salomo, das Grab, bewachen und treu
beschützen sollen,
alle mit dem Schwert vertraut, geschult für den Kampf.
V.
Der Tempel
9.
In Jerusalem aber steht ein Tempel, in dem sie beisammen wohnen, zwar
jenem
ehrwürdigen und berühmten des Salomo ungleich in der
Bauart, aber nicht
geringer an Herrlichkeit. Die ganze Pracht des ersten bestand ja in
vergänglichem Gold und Silber, in den Quadersteinen und in den
verschiedenen
Hölzern; die ganze Schönheit, die Anmut und der
Schmuck des zweiten aber ist
die fromme und genau geordnete Lebensweise der Bewohner. Der erste war
sehenswert wegen der verschiedenen Farben; dieser ist wegen der
mannigfaltigen
Tugenden und heiligen Taten verehrungswürdig. Denn dem Hause
Gottes gebührt
Heiligkeit; Gott erfreut sich nicht so sehr an poliertem Marmor als an
tugendhaften Sitten und liebt die reinen Herzen mehr als vergoldete
Wände. Auch
die Außenseite dieses Tempels wird geschmückt,
jedoch mit Waffen, nicht mit
Edelsteinen. Und statt der alten, goldenen Kränze ist die Wand
ringsum mit
Schilden bedeckt; anstatt der Leuchter, der Weihrauchfässer
und Kännchen ist
das Haus überall mit Zaumzeug, Sätteln und Lanzen zur
Verteidigung ausgestattet.
Dies sind die klaren Beweise: Die Ritter entbrennen im gleichen Eifer
für das
Haus Gottes, wie einst er selbst, der Anführer der Ritter: Als
er damals den
Tempel betrat, von mächtiger Zorneswut entflammt, bewaffnete
er seine heilige
Hand nicht mit dem Schwert, sondern mit einer Geißel, aus
Stricken gemacht, und
vertrieb die Händler, verschüttete das Geld der
Wechsler und warf die Tische
der Taubenhändler um; er erachtete es für
höchst unwürdig, daß das Haus des
Gebetes mit solchen weltlichen Geschäften verunreinigt werde.
Vom Beispiel
eines solchen Königs angeregt, hält sich das ihm
dienende Heer in den heiligen
Hallen mit Pferden und Waffen auf. In der Tat, es kommt ihm viel
unwürdiger und
bei weitern unerträglicher vor, daß das Heiligtum
von den Ungläubigen entweiht
und angegriffen wird statt, von Händlern. Und wenn sie die
Ungläubigen mit all
ihrer gemeinen und tyrannischen Wut vom Tempel und den anderen heiligen
Orten
vertrieben haben, beschäftigen sie sich an ihrem Wohnort Tag
und Nacht mit
ehrbaren und nützlichen Arbeiten. Um die Wette ehren sie den
Tempel Gottes in
ständigem und aufrichtigem Dienst, indem sie mit
immerwährender Hingabe, nicht
nach dem Brauch der Alten das Fleisch von Opfertieren, sondern die
wahrhaft
friedlichen Opfer, nämlich Bruderliebe, hingebungsvolle
Unterwerfung und
freiwillige Armut darbringen.
10.
Dies alles geschieht in Jerusalem, und die Welt gerät in
Erregung. Es hören die
Inseln, und ferne Völker merken auf , und von Osten und von
Westen begeistern
sie sich, wie ein Strom, der die Völker mit Ruhm
überflutet, und wie der
Andrang des Flusses, der die Gottesstadt erquickt. Und das sieht man
mit
größerer Freude, das bringt mehr Nutzen,
daß sich in dieser so großen
Gemeinschaft vor allem jene zusammenfinden, die vorher Verbrecher,
Gottlose,
Räuber, Kirchenschänder, Mörder, Meineidige
und Ehebrecher waren. Aus ihrer
Bekehrung entsteht, wie bekannt, ein zweifacher Vorteil: Die Freude ist
zweifach, denn sie erfreuen sowohl die Ihren durch ihren Abgang als
auch die,
welchen sie durch ihre Ankunft schnelle Hilfe bringen. Sie
nützen also überall,
nicht nur, indem sie diese schützen, sondern auch, indem sie
jene nicht mehr
bedrücken. Und so freut sich Ägypten über
ihren Aufbruch, während der Zionsberg
sich über ihren Schutz freut und die Töchter Judas
frohlocken. Ägypten rühmt
sich mit Recht, von ihrer Hand befreit, Zion, in ihrer Hand frei zu
sein. Jenes
entbehrt sehr gern seine grausamsten Verwüster, dieses nimmt
mit Freuden seine
treuesten Verteidiger auf. Wodurch dieses aufs angenehmste
getröstet wird, wird
jenes recht zu seinem Heil verlassen. ja, so weiß Christus
sich an seinen
Feinden zu rächen, daß er nicht nur über
sie, sondern auch durch sie oftmals um
so herrlicher triumphieren kann, je machtvoller er es vermag.
Gewiß auf angenehme
und vorteilhafte Weise! Jene, die er lange als Gegner ertrug, beginnt
er
nunmehr als Verteidiger zu haben, und aus dem Feind macht er einen
Streiter,
wie er auch einst aus Saulus dem Verfolger Paulus den
Verkünder gemacht hat.
Deshalb wundere ich mich nicht, wenn jene himmlische Versammlung nach
den
Worten des Heilands mehr über einen einzigen Sünder
frohlockt, der Buße tut,
als über zahlreiche Gerechte, die der Buße nicht
bedürfen. Die Bekehrung des
Sünders und Bösewichts nützt zweifelsohne
ebensoviel, als früher sein
Lebenswandel geschadet hat.
11.
Sei also gegrüßt, du heilige Stadt, die der
Allerhöchste selbst sich als sein
Wohnzelt geheiligt, damit in dir und durch dich so viele Menschen
gerettet
werden. Sei gegrüßt, du Stadt des großen
Königs, aus der seit Anbeginn zu
keiner Zeit neue und für die Welt freudenbringende Wundertaten
gefehlt haben!
Sei gegrüßt, du Herrin der Völker,
Fürstin der Länder, Besitztum der
Patriarchen, Mutter der Propheten und Apostel, Ursprung des Glaubens,
Ehre des
christlichen Volkes. Gott ließ deshalb zu, daß du
von Anfang an immer bekämpft
wurdest, damit du den Starken ebenso Anlaß zu ihrer
Tapferkeit wie zu ihrer
Rettung seist. Sei gegrüßt, du Land der
Verheißung, das du einst nur für deine
Bewohner von Milch und Honig flossest, jetzt aber dem ganzen Erdkreis
die
Mittel des Heiles, die Nahrung des Lebens reichst. Du bist ein gutes,
ja ein
sehr gutes Erdreich, da du in deinen fruchtbaren Schoß aus
dem Schatz des
Vaterherzens das himmlische Samenkorn aufgenommen hast; du hast aus dem
himmlischen Samen eine so reiche Saat an Märtyrern
hervorgebracht. Als
fruchtbarer Boden hast du sogar aus dem Rest der
zurückgebliebenen Gläubigen
eine dreißigfache, ja sechzigfache und hundertfache Frucht
hervorgebracht, die
sich auf der ganzen Erde verbreitet hat. Die von der großen
Menge deiner Süße
trefflichst Gesättigten und reichlichst Gespeisten
verströmen daher
allenthalben die Erinnerung an den Überfluß deiner
Süße: Sie haben dich
geschaut. Und bis an die Grenze der Erde sprechen sie denen, die dich
nicht
schauten, von der Herrlichkeit deines Ruhms und verkünden die
Wundertaten, die
in dir geschehen. „Herrliches hat man von dir gesagt, du
Stadt Gottes“ (PS
86,3) Nun wollen auch wir von den Wonnen, von denen du
überfließt, ein wenig künden,
zum Lob und Ruhm deines Namens.
Vl.
Bethlehem
12.
Vor allem zur Erquickung heiliger Menschen hast du Bethlehem vor dir,
das Haus
des Brotes, in dem zum ersten Mal jener, der vom Himmel herabgestiegen
war, aus
der Jungfrau geboren, als lebendiges Brot erschien. Dort wird den
frommen
Lasttieren die Krippe gezeigt und in der Krippe das Gras von der Wiese
der
Jungfrau, damit wenigstens auf diese Art der Ochse seinen Besitzer und
der Esel
die Krippe seines Herrn erkennt. „Denn alles Sterbliche ist
wie das Gras, und
all seine Schönheit wie die Blume des Grases.“ (Jes
40,6) Deshalb, weil der
Mensch seine Ehre, in der er erschaffen wurde, nicht verstand, ist er
den
unvernünftigen Tieren verglichen und gleich geworden. Das
Wort, das Brot der
Engel, ward zum Futter der Lasttiere, damit der Mensch, der es verlernt
hatte,
sich mit dem Brot des Wortes zu nähren, das „Gras
des Fleisches“ zum
Wiederkäuen habe, damit er, durch den Gottmenschen zur
früheren Würde
zurückgeführt und aus dem Tier wieder zum Menschen
geworden, mit Paulus sagen
kann: „Und wenn wir auch Christus dem Fleische nach gekannt
haben, so kennen
wir ihn doch jetzt nicht mehr so.“ (2 Kor 5,16) Ich denke
aber, daß niemand es
in Wahrheit sagen kann, wenn er nicht zuvor mit Petrus aus dem Munde
der Wahrheit
jenes Wort gehört hat: ,Die Worte, die ich zu euch gesprochen
habe, sind Geist
und Leben. Das Fleisch aber nützt nichts.“ (Joh
6,64) Wer nun in den Worten
Christi das Leben gefunden, sucht nicht mehr das Fleisch; er
gehört zur Zahl
der Seligen, die nicht sahen, und doch glaubten. Denn nur der Kleine
braucht
einen Becher Milch, und nur das Lasttier braucht etwas Heu. Wer aber
durch
Worte nicht verletzt, der ist ein vollkommener Mann und fähig,
feste Speise zu
sich zu nehmen, und er ißt, wenn auch im Schweiße
seines Angesichts, das Brot
des Wortes ohne Anstoß. Sicher aber und ohne
Ärgernis verkündet er die Weisheit
Gottes, doch nur unter den Vollkommenen. Er bereitet geistige Speise
den
geistig Gesinnten, während er den Unmündigen und
tierisch Gesinnten gegenüber
wegen ihrer geringen Fassungskraft Vorsicht übt, wenn er ihnen
nur Jesus, und
diesen als den Gekreuzigten, vorstellt. Es ist jedoch ein- und dieselbe
Speise
von der himmlischen Weide, die sowohl von den Tieren
wiedergekäut als auch vom
Menschen genossen wird, die dem Mann Kräfte gibt und dem
Kleinkind als Nahrung
dient.
VII.
Nazareth
13. Man sieht auch
Nazareth,
das Blume bedeutet, in dem jener, der in Bethlehem geboren war,
heranwuchs wie
eine Frucht an der Blume. Er, das Gotteskind, wuchs so heran,
daß der Duft der
Blume dem Geschmack der Frucht vorausging, und sich aus der Nase des
Propheten
der heilige Duftstrom in die Kehlen der Apostel ergoß.
Während die Juden mit
dem schwachen Duft zufrieden waren, sollte dieser Strom die Christen
mit gediegenem
Geschmack erquicken. Diese Blume hatte schon Nathanael gerochen, weil
sie über
alles lieblich duftete. Deshalb sprach er: „Kann denn aus
Nazareth etwas Gutes
kommen?“ (Joh 1,46) Aber keineswegs nur mit dem Duft allein
zufrieden, folgte
er Philippus, der ihm zur Antwort gab: „Komm und
sieh!“ (Joh 1,46) Und so
erfreut durch die Ausströmung jener wunderbaren
Süßigkeit, nach dem Geschmack
gieriger geworden, folgte er dem Geruch und mühte sich ohne
Zögern, bis zur
Frucht zu gelangen, indem er sich sehnte, voller zu erfahren, was er
undeutlich
vorausempfunden, und als Anwesender zu verkosten, was er als Abwesender
verspürt hatte. Wir wollen auch vom Geruchssinn des Isaak
sehen, ob er nicht
etwas anzeigte, was sich auf das bezieht, was wir behandeln. Die
Schrift
spricht von ihm so: „Sobald er den Duft seiner Kleider
roch“ - ohne Zweifel von
Jakobs Kleidern -, sagte er: „Mein Sohn duftet wie ein
reiches Feld, das der
Herr gesegnet hat “ (Gen 27,27) Er roch den Duft des Kleides,
er kannte aber
noch nicht die Gegenwart des Gekleideten. Und nur nach außen
vom Duft des
Kleides wie von einer Blume ergötzt, verkostete er nicht die
Süße der darin
verborgenen Frucht, weil er zugleich getäuscht wurde sowohl im
Sohn, dem
Erwählten, wie auch in der Erkenntnis des Geheimnisses. Worauf
bezieht sich
das? Sicher ist das Kleid des Geistes der Buchstabe, wie das Fleisch
das des
Wortes ist. Aber nicht einmal jetzt erkennt der Jude das Wort im
Fleisch, die
Gottheit im Menschen, noch sieht er unter der Hülle des
Buchstabens den geistigen
Sinn; und indem er äußerlich das Fell des
Böckchens betastet, das die
Ähnlichkeit des Älteren, das ist die des ersten alten
Sünders, versinnbildlicht
hatte, kommt er nicht zur bloßen Wahrheit. Nicht im Fleisch
der Sünde, sondern
in der Ähnlichkeit des sündigen Fleisches erschien
er, der kam, nicht um die
Sünde zu begehen, sondern sie hinwegzunehmen. Sicher kam er
aus dem Grund, den
er nicht verschwieg, damit die Blinden sehend und die Sehenden blind
würden.
Also durch die Ähnlichkeit getäuscht, segnet der
Prophet noch heute blind
jenen, den er nicht kennt: Er liest von ihm eifrig in den
Büchern, er kennt ihn
nicht an den Wundern und, auch wenn er ihn mit eigenen Händen
greift, ihn
fesselt, geißelt und ohrfeigt, erkennt er ihn doch nicht an
seiner Auferstehung.
„Hätten sie nämlich den Herrn der
Herrlichkeit erkannt, so hätten sie ihn
niemals gekreuzigt.“ (1 Kor 2,8) Wir wollen nun in
Kürze auch die übrigen
heiligen Stätten durchwandern. Wenn nicht alle, so wollen wir
doch wenigstens
einige, und zwar die hervorragenden, wenn auch nur kurz, in Erinnerung
bringen,
weil wir nicht imstande sind, sie einzeln angemessen zu bewundern.
