Der
Templerorden
Der
Templerorden (auch die Templer, Tempelritter oder Tempelherren genannt;
ca. 1118 - ca. 1314) war bei seiner Gründung um 1118 der erste
geistliche Ritterorden, der in Folge des Ersten Kreuzzugs entstand.
Sein voller Name lautete Arme Ritterschaft Christi und des
salomonischen Tempels zu Jerusalem (Pauperes commilitones Christi
templique Salomonici Hierosalemitanis). Der Orden vereinte die Ideale
des adligen Rittertums mit denen der Mönche, zweier
Stände, die bis
dahin streng getrennt waren.
Der
Name „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen
Tempels“
rührt von dem Umstand her, dass König Balduin dem
Orden einen Flügel
seines Palastes, der heutigen Al-Aqsa-Moschee, davor Basilika Maria auf
dem Tempelberg in Jerusalem, als Quartier angeboten hatte, welcher auf
den Grundmauern des salomonischen Tempels gebaut worden war.
Die
Ereignisse der frühen Jahre des Templerordens sind historisch
nicht
endgültig festzustellen. Die wichtigste
diesbezügliche Quelle stellt
der Bericht des Erzbischofs Wilhelm von Tyrus dar. Wilhelm war
allerdings um 1130 geboren worden und war somit kein Augenzeuge oder
Zeitgenosse. Weitere Schilderungen stammen von Jakob von Vitry, der im
frühen 13. Jahrhundert Bischof von Akkon war.
Das
genaue Gründungsdatum des Ordens ist nicht bekannt. Es
dürfte aber
zwischen 1118 und 1121 liegen. Schwierigkeiten der Datierung beruhen
auf dem zeitgenössischen Stil der Urkunden. Das Konzil von
Troyes, in
dessen Rahmen die erste urkundliche Erwähnung fällt,
ist zeitgenössisch
für den Januar 1128 verbrieft. Allerdings wurden damals in
Südfrankreich die Urkunden im sogenannten Stil Mariä
Verkündigung
datiert, in dem der Jahresbeginn am 25. März begangen wird, so
dass der
urkundliche 13. Januar 1128 wahrscheinlich der 13. Januar 1129 nach
heutiger Zeitrechnung war. Diese Deutung ist, wie fast alles in der
frühen Ordensgeschichte, nicht unumstritten. In der
betreffenden
Urkunde wird vom neunten Gründungsjahr gesprochen, was mit der
oben
genannten Einschränkung auf eine Gründung im Jahre
1119 oder 1120
schließen lässt.
Zu
dieser Zeit war Jerusalem ein Anziehungspunkt für viele Pilger
und
Abenteurer aus Europa. Kurz nach dem ersten Kreuzzug stand der Seeweg
offen. Die Straßen von der Küste ins Landesinnere
waren jedoch sehr
unsicher. Die zahlreichen Pilger in den bergigen Regionen der Strecke
von Jaffa über Ramla nach Jerusalem zogen Räuber an.
Der Großteil des
Kreuzritter-Heeres war nach Europa zurückgekehrt, weshalb kaum
Schutz
vor Überfällen bestand. Aller Wahrscheinlichkeit nach
waren es Hugo von
Payens, Gottfried von Saint-Omer und sieben weitere
französische
Ritter, die daher einen Orden gründeten, dessen Aufgabe es
sein sollte,
die Straßen des heiligen Landes für die christlichen
Reisenden zu
sichern. Die Ritter legten vor dem Patriarchen von Jerusalem ein
Ordensgelübde ab. Neben den „klassischen“
Gelübden, die sich auf Armut,
Keuschheit und Gehorsam bezogen, verpflichteten sich die
Ordensbrüder
jedoch zudem, den Schutz der Pilger sicherzustellen.
Als
weitere Gründungsmitglieder gelten neben Hugo von Payens und
Gottfried
von Saint-Omer auch Andreas von Montbard (ein Onkel Bernhards von
Clairvaux), Gundomar, Gudfried, Roland, Payen von Montdidier, Gottfried
Bisol und Archibald von Saint-Amand. Die frühe
Ordensbezeichnung
lautete Paupere Militie Christi (Arme Ritter Christi). Der neue
König
von Jerusalem, Balduin II., überließ den Templern im
Jahre 1119 die
Gebäude seines ehemaligen Palastes, die auf dem
Gelände des alten
Tempels Salomons erbaut gewesen sein sollen. Er selbst bezog einen
neugebauten Palast beim Davidsturm. Der Orden nannte sich daraufhin
Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis
(Arme Ritter Christi und des Tempels von Salomon zu Jerusalem), woraus
sich dann die heute üblichen Namensgebungen Templer,
Tempelritter,
Tempelherren bzw. Templerorden ableiten.
Im
Jahre 1125 erlebte der Orden den ersten Aufschwung durch den Beitritt
des Grafen Hugo I. von Champagne, der ein Freund des Abtes Bernhard von
Clairvaux gewesen war. Bernhard war einer der wichtigsten Kleriker
seiner Zeit. Nach anfänglicher Skepsis setzte er sich ab 1129
wortgewaltig für die Unterstützung des Templerordens
und des zweiten
Kreuzzuges ein.
1127
reiste Hugo von Payens in Begleitung von fünf anderen
Gründungsmitgliedern nach Europa zurück, um
für den Orden neue
Mitglieder zu werben. Außerdem hatte die Idee der Vereinigung
von
Kriegern und Mönchen Streitfragen aufgeworfen, die die Templer
den
geistlichen Größen der Christenheit vorlegen
wollten. In Jerusalem
dürfte es zu dieser Zeit bereits eine ganze Reihe von
Ordensmitgliedern
gegeben haben, denn bereits 1129 war der Ausbau der Al-Aqsa-Moschee zur
Festung und zum Sitz der Templer abgeschlossen. Dies hätte von
den vier
in Jerusalem zurückgebliebenen Mitgliedern schwerlich allein
durchgesetzt und bewältigt werden können.
Ab
1127 sind zunehmend Schenkungen von Landbesitz an den Orden zu
verzeichnen, insbesondere in Frankreich, doch auch in England, Spanien,
Portugal und Italien. Ein nicht geringer Teil der Schenkungen wird auf
den Einfluss von Bernhard von Clairvaux
zurückgeführt, der Abt des
Zisterzienserklosters von Clairvaux war.
Im
Januar 1128 oder 1129 fand in Troyes ein Konzil statt. Anwesend waren
laut der Präambel zur Ordensregel Kardinal Matthias von
Albano, einige
Bischöfe, die Äbte Hugo von Mâcon von
Pontigny, Bernhard von Clairvaux,
Stephan Harding von Cîteaux sowie weitere Kleriker und Laien;
von den
Templern wohnten Hugo von Payens, Andreas von Montbard und
möglicherweise weitere Ordensmitglieder der Zusammenkunft bei.
Die
Ordensregeln wurden schriftlich festgelegt. Sie waren augustinisch
geprägt, doch sind auch zisterziensische Einflüsse
erkennbar, was für
manche darauf hindeutet, dass Bernhard bei der Festlegung der Regeln
beteiligt war. Mit zahlreichen weiteren Beitritten ging auch ein
Wachstum der Spendeneinkünfte einher. Im Heiligen Land
gehörten die
Burgen Baghras (ab 1134 oder 1137), Roche Roussel und Darbsak zu den
frühesten Besitzungen der Templer.
Am
29. März 1139 wurde die Organisation der Templer von Papst
Innozenz II.
durch die Bulle „Omne datum optimum“ erneut
bestätigt und der Orden
direkt dem Papst unterstellt. Dadurch bildete der Orden faktisch einen
Staat im Staat und war für weltliche Herrscher nahezu
unantastbar. So
war er nicht nur von der Steuer befreit, sondern durfte selbst Steuern
erheben. Außerdem verlieh er Geld gegen Zinsen, was zwar
eigentlich
verboten war, aber stillschweigend hingenommen wurde. Die Templer
begannen sich langsam immer mehr auf dieses Geschäft zu
konzentrieren.
Die
Templer waren der erste Orden, der die Ideale des adligen Rittertums
mit denen der Mönche verband. Nach dem Vorbild der Templer
formten sich
in der Folgezeit weitere Ordensbruderschaften zu geistlichen
Ritterorden um. Der bedeutendste von ihnen war der Johanniter- oder
Hospitaliterorden, der bereits 1099 als reine Hospitalsbruderschaft
bestand und bis Mitte des 12. Jahrhunderts sein Tätigkeitsfeld
von der
Beherbergung und Pflege von Pilgern, Kranken und Armen auch auf deren
militärischen Schutz durch Ordensritter ausweitete. Auch der
1189 als
Hospitalsbruderschaft gegründete Deutsche Orden wurde 1198
nach dem
Vorbild der Templer zu einem geistlichen Ritterorden erweitert.
Insbesondere zwischen den Johannitern und Templern entwickelte sich in
der Folgezeit eine rege Konkurrenz um Macht und Einfluss im Heiligen
Land, die teils gar in blutigen Gefechten ausartete und die
Kreuzfahrerstaaten insgesamt schwächte.
Der
erste Kriegseinsatz des Ordens anlässlich der Belagerung von
Damaskus
im Jahre 1129 endete in einem Fiasko. Zahlreiche – wenn nicht
sogar die
meisten – Templer fielen im Kampf. Die Reihen wurden jedoch
wieder
aufgefüllt, und bis zum Ende Outremers im Jahre 1291 nahmen
die Templer
an allen größeren militärischen Aktionen im
Heiligen Land teil. Wie die
anderen Orden blieben die Templer vom Königreich Jerusalem
unabhängig
und wurden zu einer eigenständigen politischen Kraft.
Der
Orden
beteiligte sich auch aktiv am Kampf gegen die Mauren (Reconquista) auf
der Iberischen Halbinsel.
Nach
dem Fall der Stadt Akkon, der letzten christlichen Hauptstadt
Outremers, am 18. Mai 1291 hielt die dortige Templer-Zitadelle noch
weitere zehn Tage stand und brach dann, von den Truppen des
Mameluken-Sultans unterminiert und einem Sturmangriff ausgesetzt,
über
den Verteidigern zusammen. Die zwei letzten Burgen auf dem Festland,
die Festungen Tortosa und Athlit, wurden im August kampflos
geräumt.
Der Orden zog sich nach Zypern zurück. Eine wasserlose Insel
vor
Tortosa, Ruad, blieb bis zum 28. September 1302 im Templerbesitz.
Das
Motto lautete (und lautet noch heute):
Non
nobis Domine, non
nobis, sed nomini tuo da gloriam!
(Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre. - Psalm
115,1)
Das
Siegel
trug
die Inschrift:
SIGILLUM
MILITUM CHRISTI
(Siegel der Streiter Christi)
Das
Siegel zeigt zwei gerüstete Ritter auf einem Pferd. Seine
Deutung ist
strittig. Es könnte auf das Armutsgelübde bei
Eintritt in den Orden
hinweisen, andere vermuten darin ein Symbol für den
Grundgedanken der
Brüderlichkeit, eine dritte Theorie besagt, dass die zwei
Reiter eine
Person seien, einmal als Krieger und einmal als Mönch.
Während der
Verhaftungswelle unter Philipp dem Schönen wurde es bei der
Anklage als
Beweis für homosexuelle Praktiken des Ordens bewertet.
Erkennungszeichen
des Ordens war in der Gründungsphase zunächst nur ein
weißer Mantel
über weißem Habit. Später
(anlässlich des Zweiten Kreuzzugs am 27.
April 1147 durch Papst Eugen III. verliehen) wurde dieser Mantel mit
einem roten Kreuz über der linken Schulter versehen. Dies war
zu Beginn
ein gleichschenkliges, das später zu einem Tatzenkreuz weiter
entwickelt wurde. Gelegentlich wurden in der Geschichte des Ordens auch
Krückenkreuze verwendet.
Das
Banner des Ordens („Beaucéant“) ist
zweigeteilt in eine schwarze und
eine weiße Seite (oben und unten — steht
für Frieden und Krieg), später
sah sie aus wie ein Schachbrett, und noch später wurde das
Templerkreuz
eingefügt.